1. August 2026
Nach dem Muster der anderen Demonstrativpronomenwürde man *isdem, nicht īdem im Nominativ Singular Maskulin erwarten. Die unerwartete Form lässt sich durch eine Reanalyse, Analogie und einen Lautwandel erklären.
Im Urindogermanischen war der Nominativ Singular Maskulin *(h1)is und der Nominativ Singular Neutrum war *(h1)id. Diese kamen ins Lateinische als is und id, die mit dem Suffix -em kombiniert wurden als *isem und *idem.
*id-em wurde reanalysiert als *i-dem. Darauffolgend wurde der Rest des Paradigmas in Analogie damit angepasst, darunter *is-em > is-dem.
Interessanteweise wurden eōdem und eādem (vgl. eō und eā) nicht durch diese Analogie gebildet, sondern sie waren unter den Formen, die diese unterstützten, weil eō und eā ursprünglich mit -d auslauteten.
Im vierten bis dritten Jh. v. Chr. (d.h, vor Belegen) fand ein Lautwandel statt, nämlich Vsd > V̄d. isdem wurde dementsprechend zu īdem.
ISDEM ist tatsächlich belegt, und zwar im Jahr 45 v. Chr. Das liegt wahrscheinlich an einer Widerbelebung der alten Form.
Diesen Lautwandel (Vsd > V̄d) sieht man auch bei den Wörtern sīdere und nīdus. Beide stammen aus der idg. Wurzel *sed („sitzen“). Dieses Verb bildete ein thematisches Präsens der Form Ci-CC-e/o-, also *si-sd-e/o-[Endung]; mit dem Präfix *ni- („nieder“) konnte man *ni-sd-os („Ort zum Niedersitzen“) bilden. In beiden Wörtern sieht man den /isd/, der sich zum lateinischen /īd/ entwickelte.
Quellen
Meiser, G. 1998. Historische Laut- und Formenlehre der lateinischen Sprache.
Sommer, F. 1914 & 1977. Handbuch der Lateinischen Laut- und Formenlehre („zweite und dritte“ Auflage von 1914 und vierte Auflage von 1977).
Weiss, M. 2020. Outline of the Historical and Comparative Grammar of Latin (zweite Auflage).
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